Authentisch im Bewerbungsgespräch

Die Personalauswahl ist mitunter nicht einfach. Meint ein/e Personalverantwortliche/r, die ideale Kandidatin oder den idealen Kandidaten für eine offene Stelle gefunden zu haben, ist es umso ärgerlicher, wenn sich im Nachhinein zeigt, dass diese Person, doch nicht die ideale Besetzung ist, weil sie nicht über das notwendige Fachwissen verfügt – und das, obwohl im Bewerbungsgespräch das Aufgabengebiet und die erforderlichen Qualifikationen offen thematisiert wurden.

Der erste Eindruck
„Es ist verständlich, dass sich BewerberInnen, die sich um eine Stelle beworben haben, beim persönlichen Vorstellungsgespräch von ihrer besten Seite präsentieren möchten“, kennt Mag. Ursula Löffler, Personalberaterin bei Hill Salzburg, die Tatsachen, doch „es macht einen Unterschied, ob jemand einen positiven Eindruck hinterlassen möchte oder ob jemand unehrlich ist.“

Hohe Erwartungen erfüllen
Natürlich möchten BewerberInnen davon überzeugen, dass sie die Richtigen für eine vakante Position sind. Und viele Unternehmen haben auch sehr hohe Erwartungen an ihre künftigen MitarbeiterInnen. Klarerweise steigt dadurch der Druck auf die BewerberInnen. Kommt es dann zum Bewerbungsgespräch, wird mitunter geflunkert. „In der Regel möchten BewerberInnen einfach eine Jobzusage erhalten“, beschreibt Ursula Löffler die wenig schöne Situation, wenn sich schlussendlich herausstellt, dass jemand die notwendigen Aufgaben einer Position nicht erfüllen kann. Denn dann beginnt die Suche von Neuem – und zwar für beide Seiten.

Seien Sie authentisch!
„Ich würde mir wünschen, dass BewerberInnen den Mut und das Selbstbewusstsein mitbringen, sich selbst mit ihren Ecken und Kanten zu zeigen“, erklärt die Wirtschaftspsychologin ganz offen. Doch genau das ist doch die Crux an einem Bewerbungsgespräch: Alle BewerberInnen möchten sich von ihrer Schokoladenseite zeigen, Negatives versucht jeder möglichst unter den Teppich zu kehren – oder eben besser dazustellen. Inwieweit darf denn nun also im Bewerbungsgespräch beschönigt werden?

Lügen haben kurze Beine
„Vor allem, wenn es um die Qualifikation geht, ist es besser, ehrlich zu bleiben“, rät Ursula Löffler. „Kann sein, dass man sich ansonsten später selbst im Beruf bloßstellt und in der Beziehung zur oder zum Vorgesetzten wird ein lügenhaftes Verhalten ebenfalls seine Spuren hinterlassen.“ Wenn es darum geht, sich als BewerberIn für eine bestimmte Position gut zu präsentieren, sollten somit gewisse Grenzen eingehalten werden.

Ehrlichkeit siegt?
Auf Fragen, deren Antworten schlussendlich keine Auswirkungen auf Ihre künftige Tätigkeit haben werden – außer, dass Sie vielleicht gegenüber anderen BewerberInnen ins Hintertreffen geraten, wenn Sie zu ehrlich sind – kann es jedoch mitunter nicht schaden, ein besseres Licht auf die Dinge zu werfen.

Auf der Uni haben Sie ein Semester verbummelt? Sie möchten wechseln, weil Ihnen das Betriebsklima aktuell nicht zusagt? Wollen Sie bei dieser Art Fragen im Vorstellungsgespräch nicht den Verdacht erwecken, arbeitsscheu, unmotiviert oder gar schwierig bis sozial inkompetent zu sein, sollten Sie Ihre Antworten bereits vorab überdenken. Sie könnten also angeben, sich auf der Uni eine Zeitlang mehr auf ein Zweitfach konzentriert zu haben oder sagen, dass Ihnen in Ihrem aktuellen Job die beruflichen Herausforderungen fehlen.

Verwandeln Sie Schwächen in Stärken!
Da es nun einmal eine Tatsache ist, dass sich alle BewerberInnen im besten Licht präsentieren, ist niemandem anzuraten, so ehrlich zu sein, dass man sich selbst schadet. Dennoch: „BewerberInnen sollten zu sich und Ihren Schwächen stehen können. Wenn Sie bei kleinen Makeln ehrlich sind, wirkt das Gesamtbild sogar umso authentischer“, verrät die Psychologin. Welche kleinen Makel können das beispielsweise sein? „Perfektionismus oder Ungeduld etwa – wobei das keine guten Beispiele sind, weil sie in jedem Bewerbungstraining oder Online-Ratgeber genannt werden“, so die Personalberaterin. Sie rät jeder Bewerberin oder jedem Bewerber zur Selbstreflektion: „Besser ist es, sich vorab ehrlich Gedanken zu machen, wo die eigenen Schwächen und Stärken liegen. Wenn man dann erwähnt, dass man bereits an dieser Schwäche arbeitet oder es zumindest vorhat, gelingt es, eine vermeintliche Schwäche in eine Stärke umwandeln.“

Zueinander passen
Wenn man also zum nächsten Bewerbungsgespräch geht, kann man sich ruhig vor Augen halten, dass es mitunter besser ist, man selbst zu sein. Dann haben Sie im Falle einer Jobzusage nämlich auch die beruhigende Gewissheit, dass sich das Unternehmen wirklich für Sie entscheiden hat und nicht für den schönen, aber trügerischen Schein, den Sie hinterlassen haben.

Mag. Ursula Voglreiter-Löffler - Senior Partnerin

Foto: Mag. Ursula Löffler, Wirtschaftspsychologin und Personalberaterin, Hill Salzburg

Autorin: Mag. Catharina Fink