Männer für Gerechtigkeit

Mehr als es vielen Männern lieb ist, stecken sie in normativen Rollenbildern fest. Sie müssen stark sein, Leistung erbringen, Karriere machen, Geld verdienen, die Familie ernähren. Es ist viel, dass den Männern abverlangt wird. Die Verantwortung lastet auf ihren Schultern. Sie sind das starke Geschlecht. Schwäche zu zeigen, ist da nicht drinnen. Männer weinen schließlich nicht. Das lernen schon die kleinen Buben.

Wann ist ein Mann ein Mann?
Männer haben es nicht leicht. Sie stecken – mehr oder weniger bewusst – in Rollenvorgaben fest, die sie in ihrer Lebensgestaltung mitunter stark einschränken. Sie meinen, das war gestern? Nö, das ist sehr oft heute immer noch so. Doch ja, und es gibt sie bereits, die Männer, die dabei sind, diese Klischees abzulegen und mit ihren Partnerinnen vollkommen gleichberechtigte Beziehungen führen. Daher sollte es auch im Berufsleben und in den Unternehmen nicht nur die Aufgabe von Frauen sein, sich für Chancengleichheit einzusetzen und sich gegen Sexismus zu wehren. Die Gesellschaft befindet sich in einem unaufhaltsamen Wandel, die Unternehmen werden sich wandeln müssen, ebenso wie die privaten Beziehungen. Der Stein wurde ins Rollen gebracht, Frage ist nur, wie schnell wir am Ziel ankommen werden.

Männer, seid mutig!
Männer, die bereit sind, diese normativen Rollenklischees abzulegen und gleichberechtigte Beziehungen zu führen, haben auch keine Hemmungen, besonders vor anderen Männern, das Thema der Ungleichbehandlung anzuschneiden und offen über die Diskriminierung der Frauen zu sprechen. Und genau das ist es wohl, was in vielen Unternehmen notwendig wäre, um den Wandel hin zu einer Gleichberechtigung von Frauen voranzutreiben: Dass Männer sich mehr für die Gleichbehandlung der Frauen stark machen. Während ich das schreibe, denke ich mir, wie sehr das nach Großmutters Zeiten klingt. Nein, leider, wir sind im Heute.

Warum sich Männer stark machen sollen?
Weil in den Unternehmen es noch immer die Männer sind, die in den Führungspositionen sitzen. Sie haben somit nicht nur mehr Handlungsspielraum, sondern ihr Wort hat auch mehr Gewicht. Doch nicht nur das, schon allein der Status als „Mann“ verleiht dem Thema mehr an Bedeutung. Warum? Wenn heute eine Frau über Gleichberechtigung redet, reichen die Reaktionen der Männer in aller Regel von genervtem-das-Gesicht-verziehen bis zu ich-fühle-mich-angefeindet-und-ins-Eck-gedrängt. Die Frau wird ignoriert. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn ein Mann das Thema Diskriminierung der Frauen aufgreift: Anwesende Männer nehmen das Thema eindeutig ernster, es wird nicht einfach auf die Seite gewischt oder unter den Teppich gekehrt. Wenn der Mann das sagt, muss zumindest etwas Überlegenswertes dran sein. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit der Einsicht von Männerseite bzw. einer Aktion hin zu mehr Gleichberechtigung. Schneiden Männer das Thema an, erhält es also einen gewichtigeren Stellenwert.

Der Wille zur Veränderung
Doch auch Männer, die es gut meinen, sind in den alten Strukturen und Rollenklischees aufgewachsen und erzogen worden. Viele Muster und Verhaltensweisen sind so selbstverständlich geworden, auch wenn sie diskriminierend sind, dass es selbst dem Vorbild-Mann mitunter schwerfällt, diese zu erkennen. Ein persönlicher Wandel ist, genau so wie ein gesellschaftlicher, ein Prozess, der nicht von heute auf morgen von statten geht. Es bedarf der Selbstreflexion, der Beobachtung der Umgebung, dem Willen zur Veränderung und der Einflussnahme, wenn dies möglich ist. Ist man als Mann zu einer Veränderung gewillt, kann ehrliches Feedback von der eigenen Partnerin oder Kolleginnen viel beitragen, um sich der eigenen Verhaltensweisen bewusst zu werden. Sich über Formen der Diskriminierung am Arbeitsplatz zu informieren und zu reflektieren, wie sich die Situation im eigenen Unternehmen gestaltet, kann ein weiterer Schritt zu mehr Chancengleichheit sein.

Was schief läuft
Ja, wir brauchen es nicht neu aufrollen. Ich mache es aber trotzdem, weil man es nicht oft genug aufzeigen kann: Frauen sind nach wie vor benachteiligt in unserer Gesellschaft: privat und am Arbeitsplatz. Frauen leisten nach wie vor mehr Hausarbeit als Männer. Frauen kümmern sich in aller Regel mehr um die gemeinsamen Kinder und arbeiten aus genau diesem Grund auch eher Teilzeit als die Kindesväter. Frauen haben nicht nur aufgrund der geringeren Arbeitszeit (am Arbeitsplatz, wohlgemerkt, zu Hause geht’s dann mit der Hausarbeit weiter) weniger Einkommen. Sie verdienen sowieso weniger als Männer, Stichwort „gender pay gap“: An die 21 Prozent sind es aktuell, die Frauen für die gleiche Arbeit weniger bezahlt bekommen als ein Mann.

Diese Lohn-Ungleichheit addiert mit weniger Einkommen aufgrund von Teilzeit-Arbeit sind auch der Grund, warum Frauen eher in die Armut abrutschen, sobald sie keinen „Versorger“ mehr an der Seite haben: Alleinerziehende und Pensionistinnen sind am stärksten von Armut betroffen.

Fair Play
Doch auch Frauen, die keine Kinder haben oder möchten, werden im Berufsleben oft benachteiligt, denn: Theoretisch könnten sie schließlich jederzeit schwanger werden. Auch ein Grund, warum Männer eher eine Job-Zusage erhalten, eher befördert oder eher von einem Mentor unterstützt werden.

Kinderlose Frauen, die Karriere machen, werden oft abwertend als „vermännlichte Emanzen“ hingestellt. Viel richtiger wäre es aber, sich klar zu machen, dass in einer Gesellschaft, die es Müttern schwer macht, beides zu leben – Familie und Karriere – es in Folge mehr (gebildete) Frauen gibt und geben wird, die sich bewusst gegen die Familiengründung entscheiden. Ist dies das Ziel unserer Gesellschaft? Aber damit kommen wir schon wieder zum nächsten Blog-Beitrag … 😊

Abschließendes Plädoyer daher an alle Männer: Seid gerecht und macht euch stark für eine Gleichberechtigung von Männern UND Frauen, am Arbeitsplatz und zu Hause, euren Partnerinnen und Töchtern zuliebe.

Mag. Catharina Fink - Junior Consultant

von Mag. Catharina Fink