Alle im Urlaub, niemand auf Jobsuche? Von wegen! – Das Sommerloch im Recruiting

Alle im Urlaub, niemand auf Jobsuche? Von wegen!

Das Sommerloch im Recruiting

Autor: Melanie Hill

Die Sonne scheint, die automatische Abwesenheitsnotiz ist aktiviert und in vielen Büros stellt sich langsam die große Frage: Ist eigentlich überhaupt noch jemand da?

Im Juli und August verlagert sich das Arbeitsleben traditionell ein wenig. Die einen arbeiten vom nahezu menschenleeren Büro aus, die anderen melden sich mit Urlaubsfotos aus Italien, Kroatien oder vom heimischen Balkon. Besprechungen werden auf September verschoben, Entscheidungen vertagt und manche Stellenanzeige bleibt vorsichtshalber gleich in der Schublade.

Schließlich bewirbt sich im Sommer doch ohnehin niemand. Oder?

Ganz so einfach ist es nicht. Das berühmte Sommerloch mag in manchen Bereichen tatsächlich existieren. Im Recruiting entsteht es allerdings häufig nicht deshalb, weil plötzlich alle Bewerber:innen verschwunden wären. Manchmal sind es vielmehr die Unternehmen selbst, die ihre Personalsuche gemeinsam mit der Kaffeemaschine in den Urlaubsmodus schicken.

Auch am Strand wird über den Job nachgedacht

Ein Urlaub sorgt nicht nur für Erholung. Er schafft auch Abstand zum Alltag. Wer nicht gerade zwischen zwei Besprechungen, fünf E-Mails und einer dringenden Aufgabe feststeckt, hat plötzlich Zeit zum Nachdenken.

Bin ich in meinem aktuellen Job noch zufrieden? Möchte ich nach dem Sommer wirklich wieder genau dorthin zurück? Ist es vielleicht Zeit für eine Veränderung?

Solche Gedanken halten sich erstaunlich selten an Bürozeiten. Sie tauchen beim Wandern auf, am Badesee oder spätestens dann, wenn der Urlaub langsam zu Ende geht und die Rückkehr an den Arbeitsplatz näher rückt. Der Sommer kann deshalb durchaus eine Phase sein, in der sich Menschen intensiver mit ihrer beruflichen Situation beschäftigen.

Unternehmen, die während dieser Zeit sichtbar bleiben, können daher genau jene Personen erreichen, die nicht zwingend aktiv suchen, aber durchaus offen für eine interessante Gelegenheit sind.

Weniger Konkurrenz, mehr Aufmerksamkeit

Im Herbst erwacht der Arbeitsmarkt traditionell wieder mit voller Kraft. Stellenanzeigen, Kampagnen und Nachrichten von Recruiter:innen konkurrieren dann gleichzeitig um die Aufmerksamkeit potenzieller Kandidat:innen.

Im Sommer ist es oft etwas ruhiger. Und genau darin liegt eine Chance.

Eine ansprechend formulierte Stellenanzeige kann mehr Aufmerksamkeit erhalten, wenn nicht gleichzeitig zahlreiche ähnliche Angebote veröffentlicht werden. Auch eine persönliche Nachricht fällt möglicherweise stärker auf, wenn das Postfach nicht gerade von Karriereangeboten überquillt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Bewerber:innen im Juli bereits mit gepacktem Lebenslauf am Poolrand darauf warten, endlich kontaktiert zu werden. Es bedeutet aber, dass Unternehmen den Sommer nicht vorschnell als verlorene Zeit betrachten sollten.

Der Personalbedarf verschwindet schließlich nicht automatisch, nur weil die Temperaturen steigen.

Das eigentliche Sommerloch liegt oft im Bewerbungsprozess

Natürlich bringt Recruiting während der Urlaubszeit Herausforderungen mit sich. Die Personalverantwortliche ist zwei Wochen weg, danach verabschiedet sich die zuständige Führungskraft und wenn beide wieder da sind, fehlt ausgerechnet jene Person, die unbedingt noch ihre Meinung zur Besetzung abgeben sollte.

So kann aus einem ursprünglich unkomplizierten Bewerbungsprozess eine kleine organisatorische Rundreise werden.

Für Kandidat:innen ist das allerdings wenig erfreulich. Wer Interesse an einer neuen Position zeigt, möchte nicht vier Wochen lang rätseln, ob die Bewerbung angekommen ist oder inzwischen gemeinsam mit einem halb ausgetrunkenen Kaffee am Schreibtisch vergessen wurde.

Gerade im Sommer lohnt es sich deshalb, die internen Abläufe vorab zu klären. Wer kann Bewerbungen prüfen? Wer führt Gespräche, wenn die eigentliche Ansprechperson auf Urlaub ist? Welche Entscheidungen können trotzdem getroffen werden? Und wer informiert die Kandidat:innen darüber, wenn es tatsächlich einmal länger dauert?

Es muss nicht jede Führungskraft jederzeit erreichbar sein. Eine verlässliche Kommunikation sollte aber auch bei 30 Grad im Schatten möglich bleiben.

Auch digitale Gesprächsmöglichkeiten können helfen, erste Termine trotz Urlaub, Reise oder räumlicher Distanz zeitnah durchzuführen. Ein Videogespräch ersetzt nicht immer das persönliche Kennenlernen, ist aber häufig besser als drei Wochen Funkstille.

Im Sommer muss nicht alles sofort entschieden werden

Nicht jede Stelle muss noch vor dem nächsten Eisbecher besetzt sein. Der Sommer eignet sich aber hervorragend, um Prozesse vorzubereiten und Kontakte aufzubauen.

Unternehmen können Stellenprofile schärfen, Anforderungen kritisch hinterfragen und überlegen, wodurch sich die Position tatsächlich von anderen Angeboten unterscheidet. Auch die Direktansprache geeigneter Kandidat:innen kann bereits beginnen, selbst wenn ein persönliches Gespräch erst einige Tage später stattfindet.

Entscheidend ist, Erwartungen offen zu kommunizieren. Ein Satz wie „Aufgrund der Urlaubszeit kann die nächste Rückmeldung einige Tage länger dauern“ wirkt wesentlich professioneller als völlige Funkstille.

Gleichzeitig sollten Prozesse nicht automatisch bis September eingefroren werden. Eine interessante Kandidatin oder ein interessanter Kandidat wartet möglicherweise nicht so lange. Während im eigenen Unternehmen noch versucht wird, drei Kalender miteinander abzustimmen, hat ein anderer Arbeitgeber vielleicht bereits ein erstes Gespräch geführt.

Nach dem Sommer ist vor dem Personalbedarf

Wer im September neue Mitarbeiter:innen braucht, sollte nicht unbedingt erst im September mit der Suche beginnen. Schließlich benötigen auch Ausschreibung, Vorauswahl, Gespräche, Kündigungsfristen und die endgültige Entscheidung ihre Zeit.

Eine frühzeitige Personalsuche schafft Luft. Und davon kann man im Sommer bekanntlich nie genug haben.

Wir erleben in der Personalberatung regelmäßig, dass interessante Kandidat:innen auch in vermeintlich ruhigen Phasen offen für Gespräche sind. Vielleicht nicht immer zwischen zwei Schwimmrunden und sicher nicht während einer Bergtour ohne Empfang. Aber grundsätzlich durchaus.

Das Sommerloch im Recruiting ist deshalb weniger ein Naturgesetz als eine Frage der Organisation. Unternehmen, die erreichbar bleiben, verbindlich kommunizieren und ihre Suche rechtzeitig starten, können die ruhigeren Wochen sogar zu ihrem Vorteil nutzen.

Denn während andere noch auf September warten, ist die passende neue Mitarbeiterin oder der passende neue Mitarbeiter vielleicht schon längst auf dem Weg – gut erholt, motiviert und mit einer ziemlich klaren Vorstellung davon, wie es beruflich weitergehen soll.

Sie möchten die Sommermonate nutzen, um passende Mitarbeiter:innen zu finden, während andere ihre Personalsuche auf den Herbst verschieben? Wir unterstützen Sie bei der Suche, Auswahl und Ansprache geeigneter Kandidat:innen – selbstverständlich auch dann, wenn das halbe Büro gerade auf Urlaub ist.

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