Mehr Einsatz, bitte!

Wer bislang dachte, wir leben in einer Leistungsgesellschaft, der wird bei folgender Lektüre eines Besseren belehrt. In ihrem Buch „Ihr kriegt den Arsch nicht hoch. Über eine Elite ohne Ambitionen“ zeichnet die Autorin und Uni-Professorin Evi Hartmann ein nüchternes und abgeklärtes Bild vom aktuellen Arbeitsalltag in den Unternehmen.

Einzige Ausnahme seien ihr zufolge die Start-ups: Würden hier nicht ausnahmslos alle MitarbeiterInnen vollsten Einsatz zeigen, wäre diesen Jungunternehmen nur ein kurzes Dasein beschieden. In allen anderen Firmen sei laut Hartmann die Pseudo-Elite, deren Haltung geprägt sei durch Leistungsverweigerung und eine „Bloß nicht überarbeiten“-Einstellung, vorherrschend. „Sie sind intelligent, gut ausgebildet und wollen Status und Geld, aber keine Anstrengung und bloß nicht zu viel Verantwortung. Posen statt Performen: Die vermeintliche Säule der Zukunftsgesellschaft ist selbstzufrieden und anspruchsvoll und überschätzt sich maßlos selbst“, so Hartmann.

Bereits im Vorstellungsgespräch stünde bei den VertreterInnen dieser Gruppierung die Frage nach der Überstundenregelung und der persönlichen Work-Life-Balance an vorderster Stelle. Gekonnt würden diese zwar in Meetings das große Wort führen, im Arbeitsalltag aber nicht gerade durch Leistung glänzen, auch wenn sie die Erfolge anderer im Nachhinein nichtsdestotrotz ihrem eigenen Einsatz zuschreiben würden. Ausbaden müssten diese Haltung in Folge einige wenige Fleißige – irgendwer muss schließlich den Dreck wegräumen, in diesem Fall: die anstehende Arbeit erledigen. Hartmann zeigt anschaulich auf, wie es den Leistungsverweigerern nicht nur gelingt, sich vor der Arbeit zu drücken, sondern auch damit davon zu kommen. Was die wirkliche Leistungs-Elite aus Evi Hartmanns Buch mitnehmen kann? Wie sie sich dieses Verhalten nicht länger gefallen lässt. Zu guter Letzt zeichnet sie unter der provokanten Frage „Was wird aus der Luschen-Gesellschaft?“ auf amüsante Art und Weise drei Zukunftsszenarien. Wie heißt es doch so richtig: Jeder ist seines Glückes Schmied. Möchten wir eine Veränderung, liegt es an uns, die Schritte in die entsprechende Richtung zu setzen.

Evi Hartmann: Ihr kriegt den Arsch nicht hoch. Über eine Elite ohne Ambitionen. Campus Verlag 2018. 224 Seiten.

Über die Autorin: Dr.-Ing. Evi Hartmann ist Professorin an der Friedrich-Alexander Universität in Erlangen-Nürnberg, wo sie Betriebswirtschaft, insbesondere Supply Chain Management, lehrt. Sie forscht und unterrichtet nicht nur intensiv an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, sondern ist als Mutter von vier Kindern darüber hinaus Mitglied im Netzwerk GenerationCEO für Frauen in Führungspositionen.

Ihr Kriegt den Arsch Nicht Hoch - Buch von Evi Hartmann

von Mag. Catharina Fink