Knigge fürs Vorstellungsgespräch: Der erste Eindruck entscheidet

Es gibt kein zweites erstes Mal. Das gilt besonders beim Bewerbungsgespräch, wenn es darum geht, bei der/dem Personalverantwortlichen einen guten Eindruck zu hinterlassen. Die erste Hürde hat man schließlich schon geschafft: Aufgrund der schriftlichen Bewerbungsunterlagen wurde man zum persönlichen Gespräch eingeladen. Nun gilt es, durch gutes Benehmen zu glänzen und Fettnäpfchen zu umschiffen. „Wie die Praxis zeigt, ist das vermeintlich Selbstverständliche oftmals doch nicht selbstverständlich“, bestätigt Mag. Isabella Mitterlehner, Wirtschaftspsychologin und Senior Recruiterin bei HILL WOLTRON Management Partner GmbH. Gemeinsam mit Mag. Christina Brandl, ebenfalls Wirtschaftspsychologin und Senior Recruiterin bei HILL WOLTRON, hat sie Tipps zum Vorstellungsgespräch für Bewerber zusammengestellt. Beide kennen die Praxis ganz genau, schließlich gehört es zu ihrem täglichen Job, BewerberInnen auf Herz und Nieren zu prüfen, um für Unternehmen die geeignetsten KandidatInnen ausfindig zu machen.
Da neben der fachlichen Berufsqualifikation ebenso die Soft Skills entscheiden, haben wir nochmals einen kleinen Knigge mit insgesamt 13 Ratschlägen zum richtigen Benehmen zusammengestellt:

1. Pünktlichkeit ist Höflichkeit. Weder viel zu früh noch zu spät sollte man zum Bewerbungsgespräch eintreffen. Ist man sich nicht sicher, wie lange die Anfahrt dauert, lieber früher losfahren und in der Nähe noch auf einen Kaffee gehen oder eine Runde um den Block spazieren. Zumindest hat man dann auch nicht den Stress, dass man eventuell zu spät oder abgehetzt ankommt und kann so in aller Ruhe die Situation, die vor einem liegt, nochmals im Kopf durchspielen.

2. Die Kleidung sollte der Branche und der Position, um die man sich bewirbt, angemessen sein. Weder under- noch overdressed, lieber etwas Neutrales als zu ausgeflippt. Hat man den Job erst mal, kann man immer noch abklären, wie viel Mode-Mut im Unternehmen gutgeheißen wird. Micky-Maus-Krawatten sollte man für diesen Anlass jedenfalls nicht auswählen.
Ein Thema sind auch auffällige Tätowierungen. Diese sind nicht in jeder Position, Branche oder Unternehmen gerne gesehen. Beim Bewerbungsgespräch sollte dieser Körperschmuck verdeckt sein. Wird er in der Arbeit zu sehen sein, ist dies auf jeden Fall gegenüber der/dem Personalverantwortlichen zur Sprache zu bringen.

3. Freundlichkeit ist ein Türöffner – und zwar ganz gleich, ob es sich um den Rezeptionisten am Empfang, die Sekretärin oder die/den Personalverantwortliche/n handelt. Unhöflichkeit oder Arroganz kommt nicht gut an und wer weiß schon, wer in der Firma mit wem befreundet ist. Also aufpassen, alle Personen sind wichtig beim Sammeln von Sympathiepunkten.

4. Signalisieren Sie, dass Sie sich wohlfühlen! Die Jacke sollte man ausziehen, sonst scheint es, als wolle man gleich wieder aufbrechen und erst gar nicht bleiben. Wird man gefragt, ob man etwas trinken will, macht es auch einen besseren Eindruck, dies mit einem Ja zu beantworten. Es zeigt: Man nimmt die Gastfreundschaft an. Und hat man gerade erst einen Kaffee getrunken, kann man sich zumindest das angebotene Glas Wasser bringen lassen. Eines sollte man hier unbedingt beachten: Extravagante Sonderwünsche, etwa die Frage nach dem Milchschaum, sind bitte zu vermeiden.

5. Aber auch nicht allzu relaxed wirken. Sprich, nicht alle Viere von sich strecken und vielleicht noch gähnen oder Schlimmeres, während man wartet. Ruhig und entspannt wirken, schadet jedoch nicht. Es wird wohl nicht allzu lange dauern bis zum Termin und Souveränität auszustrahlen, kommt immer gut an.

6. Sollte doch die Nervosität erkennbar sein, ist es auch kein Malheur.
Es zeigt: Mir ist der Job wichtig! Den will ich haben! Ganz die Nerven wegzuschmeißen, macht aber trotzdem keinen guten Eindruck. Hier sollte man sich um ein bisschen mehr Selbstsicherheit bemühen. Etwa indem man sich vorab bei der Vorbereitung auf das Gespräch seine Stärken bewusst macht.

7. Wird man schließlich von der/vom Personalverantwortlichen begrüßt, sollte man also selbstbewusst wirken, dem Gegenüber in die Augen schauen, den Händedruck weder zu lasch noch zu fest erwidern und sehen, welchen Weg einem der Personaler oder die Personalerin weist beziehungsweise ihm/ihr folgen. Befindet man sich bereits im richtigen Raum sollte man warten, welcher Sitzplatz einem zugewiesen wird. Wird einem kein Platz zugewiesen, hat man die freie Wahl – wobei man sich aber auch nicht zu weit wegsetzen sollte, das wirkt wiederum zu distanziert.

8. Sachlichkeit
Es ist durchaus ein positives Zeichen, wenn man beim Bewerbungsgespräch über das Sachliche hinaus ins Plaudern kommt, allzu private Details kommen jedoch nicht unbedingt gut an. Was es auch schon gab: Bewerber, die gegenüber der attraktiven Recruiterin den Macho raushängen ließen. Mhhh …, sagen wir mal so: auch nicht unbedingt gut. Möchte man eine Stelle bekommen, sollte man es dabei belassen, sich auf das Sachliche zu konzentrieren.

9. Wobei wir schon mitten im Gespräch sind. Dieses beginnt üblicherweise mit ein bisschen Small Talk, man zeigt hier seine soziale Kompetenz, sprich: man kann ruhig ein wenig plaudern und muss nicht nur einsilbig auf die Fragen des Gegenübers antworten. Im weiteren Verlauf des Bewerbungsgespräches gilt das Gleiche. Als BewerberIn zeigt man damit sein Selbstbewusstsein und auch für die/den Personalverantwortliche/n ist es einfacher, wenn er mit dem Gegenüber ein angenehmes Gespräch führen kann. Großes Tabu: Lästern über den ehemaligen Arbeitgeber oder KollegInnen. Das kommt nicht gut an, man schießt höchstens ein Eigentor.

10. Als Bewerber ist man durchaus berechtigt, selbst Fragen zu stellen.
Schließlich ist man nicht gekommen, um sich verhören zu lassen, es geht darum, die gegenseitigen Vorstellungen abzuklären. Man darf sich selbst also ruhig einbringen. In der Regel wird man sowieso gefragt, ob man noch etwas wissen möchte. Das ist meist gegen Ende des Gesprächs der Fall. An dieser Stelle ist es auch gut und zeugt von Interesse, wenn man Fragen hat.

11. Mimik und Gestik Nicht nur bei der Begrüßung, sondern während des gesamten Gesprächs sollte man dem/der Gesprächspartner/in in die Augen sehen. Sieht man weg, wirkt man wenig interessiert.
Ebenfalls sehr wichtig: lächeln und freundlich sein. Die ganze Stimmung des Gesprächs wird positiv beeinflusst und freundlich gestimmt hinterlässt man einfach einen besseren Eindruck.

12. Eine Stolperfalle kann sich auch noch auftun, wenn es ums Gehalt geht. Auch hier sollte man die Freundlichkeit nicht vergessen, etwa wenn das angebotene Gehalt nicht den eigenen Vorstellungen entspricht.
Keinesfalls sollte man sein Licht unter den Scheffel stellen, sich im besten Fall bereits vorab überlegt haben, wie man seine Vorstellungen diesbezüglich argumentiert und im Zweifelsfall noch um eine Bedenkzeit ersuchen, wenn es nicht gleich zu einer Einigung kommt.

13. Verabschiedung Der oder die Personalverantwortliche beendet das Gespräch. Man steht also nicht einfach auf, sondern wartet, bis das Gegenüber signalisiert, dass das Gespräch zu Ende ist, sich vom Stuhl erhebt und die Hand zur Verabschiedung reicht bzw. einen zur Tür begleitet. Sagt der/diePersonaler/in nicht von sich aus, wie es nun weiter geht, kann man ruhig fragen: „Wie verbleiben wir?“ oder „Wann darf ich mich bei Ihnen melden?“.

Fazit: Selbstbewusst, freundlich, offen und interessiert hinterlässt man beim Gegenüber einen guten Eindruck. Bereitet man sich zudem noch mental auf das Gespräch vor, indem man die Situation gedanklich durchspielt und sich etwa die eigenen Stärken bewusst macht, vorab Informationen über das Unternehmen einholt und sich bereits vorab interessante Fragen überlegt, erhöht man die Chancen auf den neuen Job erheblich.

Mag. Catharina Fink - Junior Consultant

von Mag. Catharina Fink