Ghosting: Vom Dating-Trend zum Arbeitsmarkt

Immer mehr Bewerber:innen versetzen Personalverantwortliche: Was es mit Job Ghosting auf sich hat

Autorin: Melanie Hill

© Tandem X Visuals on Unsplash

Sie hatten ein unbeschreibliches erstes Date, doch danach: Funkstille! Ihr:e Dating Partner:in ist wie vom Erdboden verschluckt, reagiert nicht auf Anrufe und scheint spurlos verschwunden, ganz ohne Vorwarnung, Anzeichen oder Erklärung. Kennen Sie das? Ghosting ist mittlerweile gang und gäbe – nicht nur im Datingbereich, auch vermehrt in der Arbeitswelt. Das sieht dann mitunter so aus: ein:e Kandidat:in bewirbt sich auf eine offene Stelle, erhält eine Rückmeldung vom potentiellen Arbeitgeber und meldet sich dann nie wieder.

Dabei tritt das Phänomen in unterschiedlichen Ausprägungen auf. Manche Bewerber:innen sind direkt nach dem Einsenden ihrer Bewerbungsunterlagen oder nach einem telefonischen Erstgespräch nicht mehr erreichbar, lassen unentschuldigt ein Bewerbungsgespräch platzen oder gehen sogar soweit, dass sie einen Dienstvertrag unterschreiben, aber dann nie am Arbeitsplatz auftauchen. Job Ghosting ist zu jedem Zeitpunkt im Bewerbungsprozess möglich.

Die Folgen, auf Partner- oder Mitarbeiter:innensuche, sind die gleichen: Frust, Zeitverlust und Ärger darüber, dass die Suche nun wieder von vorne losgeht.

Woher kommt diese Entwicklung?

Job Ghosting durch Bewerber:innen scheint auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar. Der:die Kandidat:in hat sich aktiv für eine Stelle beworben, hat sich interessiert gezeigt und im Gespräch von seiner:ihren besten Seite gezeigt und dann ist er:sie von der Bildfläche verschwunden.

Wie man fairerweise sagen muss, kennen auch viele Arbeitnehmer:innen das Phänomen des Ghostings. Haben Unternehmen bisher oft verspätet oder gar nicht auf Bewerbungen reagiert, bekommen sie nun eine Dosis ihrer eigenen Medizin verabreicht. Der Arbeitsmarkt hat sich mittlerweile dahin entwickelt, dass Arbeitnehmer:innen aufgrund eines Überangebots an Jobs die Wahl haben: sie müssen nicht mehr den erstbesten Job annehmen. Das ermöglicht Bewerber:innen erstmal in einige Bewerbungsprozesse einzusteigen, Näheres zu erfahren und mitunter zwischenzeitlich Angebote zweiter Wahl anzunehmen, um dann doch noch abzuspringen, wenn sich eine bessere Option ergibt.

Für Arbeitgeber:innen stellt das ein großes Problem dar, denn es ist nicht nur ärgerlich, sondern auch zeit- und damit kostenintensiv.

Daher mein Appell an Sie: Sagen Sie ab!

Ungewissheit ist frustrierend – für Bewerber:innen genauso wie für Arbeitgeber:innen. Abzusagen ist eine Frage der Höflichkeit. Ihr Gegenüber will wissen, woran es ist. So können beide Seiten in die Zukunft blicken, Alternativen finden und sogar dazulernen. Denn durch ein begründetes Feedback können sich beide Parteien verbessern und erfahren vielleicht sogar, was sie bei zukünftigen Bewerbungsverfahren verbessern können. Denn eine Absage ist nichts Schlimmes und am Ende des Tages weiß jeder, woran er ist

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